In immer stärkerem Ausmaß begegen uns Begriffe wie Solarstrom, Photovoltaik oder erneuerbare Energien, doch gibt es noch immer ein erhebliches Informationsdefizit in Bezug auf die Möglichkeiten dieser Form der Energiegewinnung bzw. auch über die nicht zu vernachlässigenden Negativaspekte, über die kaum einmal sachlich argumentiert wird.
Grund genug, darüber auch einmal als Lehrstoff in der Schule zu befinden und die Schüler und Schülerinnen nicht nur theoretisch sondern vor allem auch praktisch damit zu konfrontieren. Ziel solchen Unterrichtsstoffes sollte es primär sein, dass interessierte Jugendliche ab etwa 14 Jahre einen gezielten Einblick in dieses Spezialgebiet der Physik erhalten. Dazu bietet es sich an, den Unterrichtsstoff in den normalen Physikunterricht zu implementieren.
Ein erster Kontakt mit der Materie
Die Kraft der Sonne oder vielmehr die Energie der Lichtphotonen, kann in einem ersten Schritt mittels eines recht simpel gestalteten Versuchsaufbaus aufgezeigt werden. Hierzu gibt es im Handel diverse Anschauungsmodelle, welche mit Solarenergie betrieben werden können. Dies sind beispielsweise kleine solarbetriebene Autos, Fahrradfahrer oder Windmühlen. Es sind einfache und schnell zu montierende Bausätze, die auch mit weniger handwerklichem Geschick montiert und zum Funktionieren gebracht werden können. Auf Grundlage dieser ersten Erfahrungen kann dann die Thematik vertieft werden. Vor allem ist es wichtig, es zu ersten positiven Grunderkenntnissen kommen zu lassen. Dies macht eine Vertiefung in die Materie sehr viel leichter als trockener und/oder didaktischer Lehrstoff.
Die physikalischen Hintergründe
Natürlich darf bei aller Liebe zum Experiment auch die funktionelle und physikalische Seite nicht außer Acht gelassen werden. So kann es durchaus Sinn machen, die Wirkung von Lichtphotonen beim Auftreffen auf die Siliziumschicht und die daraus erwachsenden komplexen ladungstechnischen Vorgänge in einem entsprechenden Modell anschaulich zu verdeutlichen. Hierzu sollte man sich moderner Medien bedienen und nicht etwa auf ein Pappmodell aus der Gründerzeit der Schule zurückgreifen. Oder man liefe Gefahr, großflächiges Interesse für diese Thematik einzubüßen.
Vom Spiel zum Ernst der Thematik
Da die Sonnenenergie seitens der Politik in der Zunkunft gerne als Hauptenergiequelle gesehen wird, ist es nötig, sich mit den Machbarkeiten oder vielmehr auch den Nicht-Machbarkeiten mancher Visionen frühzeitig auseinander zu setzen. Es muss der technische Sinn und Verstand wachgerüttelt werden, dass bei weitem nicht alle Probleme mit Hilfe des derzeitigen Standes der Photovoltaik-Forschung gelöst werden können. Hierzu kann ein ebenfalls einfaches Experiment dienen, wozu ein Solarmodul mittlerer Größe und Leistung benötigt wird. Das Modul sollte eine Leerlaufspannung von 20 Volt und eine Leistung von etwa 300 Milliampere aufweisen.
Ziel soll es dabei sein, zwei unterschiedliche 12-Volt-Elektromotoren direkt per Solarstrom zu betreiben; einmal einen kleinen Motor in Art der schon erwähnten Bausätze und einen Elektromotor mit hohem Anlaufstrom. Es wird sich zeigen, dass der kleinere Motor bei Lichteinfall problemlos zu arbeiten beginnt, der größere Motor jedoch regungslos verharrt bzw. nur kurze Anlaufimpulse zeigt. Und dies obwohl genügend Spannung anliegt.
Das Problem von Solarenergie
Nach Durchführung des letzten Versuches zeigt sich die grundlegende Problematik der Photovoltaik. Es ist zwar ohne weiteres möglich, eine beliebig große Spannung zu erzeugen, doch stellen Solarmodule in erster Linie reine Spannungsquellen und keine Stromquellen dar. Dieses Phänomen sollte auch erst nach diesem Experiment angesprochen und behandelt werden. Bedingt durch den hohen Innenwiderstand einer Solarzelle, kann nur ein extrem begrenzter Strom fließen. Der Unterschied zwischen Spannung und Strom sollte hierbei noch einmal explizit und in Anlehnung an die Elektrizitätskunde der Physik behandelt werden.
Es gibt Spannung ohne Strom, doch es gibt keinen Strom ohne Spannung
Um den größeren Motor betreiben zu können, sind entweder mehrere Solarmodule parallel zu verschalten oder es muss auf eine hochstromfähige Spannungsquelle zurückgegriffen werden. Eine solche Stromquelle ist der Akkumulator. In ihm ist der Innenwiderstand gering genug, damit ein ausreichend großer Strom fließen kann und der Motor seinen Anlaufwiderstand überwindet.
Die Notwendigkeit der Zwischenspeicherung elektrischer Energie in Akkumulatoren stellt damit die Schwierigkeit klar und deutlich in den Raum. Und so wird es auch in absehbarer Zeit keine absolute Alternative zu konventionellen Energieträgern wie Kohle, Gas, Erdöl oder Kernenergie geben, da die zu lösenden technischen Herausforderungen mannigfaltig sind und bleiben werden.